Im späten 16. Jh. wird der Dichter und Schauspieler Cervantes von der spanischen Inquisition wegen Gotteslästerung verhaftet. Er landet gemeinsam mit seinem Diener in einem Gefängnis voller Mörder, Diebe, Huren und Betrüger – die ihm sofort seine verbliebene Habe abnehmen. Darunter befindet sich auch sein unvollendetes Manuskript. Um sein Eigentum zu retten und zu beweisen, dass das Schriftstück wirklich ihm gehört, bietet Cervantes an, die Geschichte seines Romans nachzuspielen. Die Mitinsassen willigen ein und werden selbst Teil des Stücks.
Cervantes schlüpft in die Rolle des alten Edelmanns Alonso Quijana, der sich nach der Lektüre etlicher Heldenromane für den fahrenden Ritter Don Quijote hält und mit seinem Diener Sancho Pansa auszieht, das Böse zu bekämpfen. Als „Ritter von der traurigen Gestalt“ kämpft er gegen Windmühlen, die ihm als Riesen erscheinen, sieht Schlösser, wo es nur heruntergekommene Gasthöfe gibt. Und das schlampige Serviermädchen Aldonsa wird für ihn zur edlen Dame Dulcinea. Gegenspieler sind seine Nichte und ihr Verlobter, ein Arzt, die ihn „retten“ und damit zwingen wollen, der Realität ins Gesicht zu schauen. Doch Quijotes ganzes Sinnen und Trachten gilt Ehre, Tugend und Gerechtigkeit: Er folgt seinem „unmöglichen Traum“. Zunehmend verstrickt Cervantes dabei seine Mitgefangenen in das Fantasiespiel und infiziert sie mit Don Quijotes unerschütterlichem Idealismus.
Wie kaum eine andere Figur der Weltliteratur verkörpert Don Quijote die menschliche Verunsicherung in Umbruchszeiten, sein Anrennen gegen Windmühlen, so sinnlos es auch scheinen mag, wird zu einem heldenhaften Kampf gegen die allgemeine Sprach- und Hilflosigkeit. Zugleich ist er aber auch ein Künstler par excellence: Als kreativer Geist versucht er seine innersten Ideale und Fantasien in der Realität umzusetzen und inszeniert sich dabei selbst.
Dale Wasserman ließ sich 1959 von Miguel de Cervantes Saavedras Büchern zu einem Fernsehspiel inspirieren, das er 1965 für ein Musical adaptierte. Das vielfach ausgezeichnete Werk nähert sich dem Stoffkomplex über die gebrochene Biografie seines Autors Cervantes, der nach langen entbehrungsreichen und erfolglosen Jahren mit „Don Quijote“ am Ende seines Lebens ein epochales Literaturtestament hinterließ. Das Musical zählt zu den erfolgreichsten Produktionen der Broadway-Geschichte und wurde mit fünf Tony Awards ausgezeichnet. Die deutschsprachige Premiere folgte drei Jahre später in Wien.